Mona Naderer

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22.11.17 Wunderwerk Darm – Porträt eines (zu) wenig geachteten Körperteils

Wir nehmen ihn meist nur wahr, wenn’s zwickt oder grummelt. Tatsächlich ist die Bedeutung des Darms für unser Wohlbefinden enorm vielfältig. Etwa sieben Meter ist er lang, und mit einer (ausgebreiteten) Fläche von fast 400m2 unsere bei weitem größte Kontaktfläche zur Außenwelt. Im Lauf eines 70jährigen Lebens verarbeitet er bis zu 50 Tonnen Nahrungsmittel, und er beherbergt zehnmal so viele Bakterien wie unser ganzer Körper Zellen hat.

Dass der Darm ein eigenes Nervensystem hat, ist in der Wissenschaft seit etwa 100 Jahren bekannt. Deutlich jünger ist die Erkenntnis, dass der Großteil der Informationsübertragung vom Bauch zum Kopf erfolgt, und nicht umgekehrt. Entscheidungen „aus dem Bauch“ zu treffen, ist also ein durchaus intelligenter Ansatz!

Niemand von uns lebt allein.

Ein durchschnittlicher Erwachsener geht jeden Abend mit etwa 100 Billionen Darmbakterien schlafen, und steht am nächsten Morgen auch wieder mit ihnen auf. Dieses so genannte Mikrobiom macht viel von dem aus, wie wir uns fühlen und wie gesund wir sind. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien einen Einfluss darauf hat, ob jemand übergewichtig oder normalgewichtig ist. An den Bakterienarten im menschlichen Stuhl können ForscherInnen auch ablesen, ob sich jemand hauptsächlich vegetarisch ernährt oder viel Fleisch isst.

Generell gilt: Eine geringe Vielfalt im Mikrobiom ist ungesund. Viele schwere Krankheiten gehen mit einer veränderten Darmflora und einer verringerten Vielfältigkeit der Bakterienarten einher. Die Vielfalt im Darm fördern wir mit einer ballaststoffreichen Ernährung, Sport und Aufenthalten im Freien. Gegenteilig wirken Antibiotika, Zucker und rotes Fleisch.

Beeindruckend sind auch die Auswirkungen des Mikrobioms auf das Verhalten: Schüchterne Mäuse, denen die Darmbakterien von mutigeren Artgenossen übertragen wurden, wurden ebenfalls mutiger. Menschen mit Reizdarm-Syndrom leiden signifikant öfter an Depressionen oder Aufmerksamkeits-Störungen. Der schwedische Psychiater Harald Blomberg geht davon aus, dass Autismus bei Kindern wesentlich mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten zusammen hängt. Die Bedeutung des Darms für Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Multiple Sklerose beschreibt der amerikanische Neurologe und Ernährungsmediziner David Perlmutter in seinen Büchern „Dumm wie Brot“ oder „Scheiss schlau“.

Das Darm-Immunsystem

Drei Viertel unserer Immunzellen sitzen im Darm, und der überwiegende Teil aller Abwehrreaktionen findet dort statt. Wenn hier auf Grund von unverträglichen Nahrungsmitteln, Antibiotika oder Bewegungsmangel nicht mehr alles im Lot ist, können Allergien oder auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma entstehen. Darmsanierung mit individuell ausgetesteten Probiotika ist sowohl eine optimale Vorsorge, als auch eine hilfreiche Begleitmaßnahme bei vielen Krankheiten.

Die alten NaturheilkundlerInnen sagten: „Der Tod sitzt im Darm.“ Dieser Spruch ist zwar drastisch formuliert, aber all diese Zusammenhänge erklären doch viel von der großen Bedeutung für unsere Gesundheit.