Mona Naderer

bloggen hilft

24.10.17 Lass dein Hirn nicht sitzen

oder Das wunderbare Beispiel der Seescheide

Seescheiden sind recht einfach gebaute Meerestiere, die – so wie wir Menschen – ein Hirn und eine Art Rückenmark haben. In ihrer Jugend schwimmen sie damit durch den Ozean und können verschiedene Informationen verarbeiten. Zum Beispiel, ob das Wasser warm oder kalt ist, ob gerade ein Fisch vorbeischwimmt, oder ob Nahrung verfügbar ist. Wenn sie dann einen Felsen finden, der sicher ist und sich in nahrhafter Umgebung befindet, werden sie sesshaft und bleiben für den Rest ihres Lebens auf diesem Felsen.
Das Erste, was Seescheiden tun, nachdem sie sesshaft geworden sind, ist: sie verdauen ihr eigenes Gehirn. Daniel Wolpert, ein britischer Mediziner und Neurowissenschafter, formuliert das so:
Der einzige Grund, ein Gehirn zu haben, ist Bewegung.
Durch Bewegung – und dazu zählt eine hochgezogene Augenbraue ebenso wie das Artikulieren von Worten! – beeinflussen wir die Welt rund um uns. Wenn wir aufstehen, uns hinlegen, gehen oder laufen, verändert sich die Umwelt für uns – und dann brauchen wir ein Gehirn, um diese Veränderungen zu verarbeiten.
Bewegung ist gesund, das wissen wir alle. Regelmäßige Bewegung dämpft etwa die Entzündungsbereitschaft im Körper – so genannte stille Entzündungen sind ein wesentlicher Faktor für Krankheiten wie Rheuma, Multiple Sklerose oder Depressionen. Blutdruck und Blutzuckerspiegel werden durch Bewegung stabilisiert, das hilft dabei, die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes zu verhindern.
Bewegung fördert die Bildung von Stoffen, die das Wachstum von Nerven anregen – wir werden intelligenter und das Alzheimer-Risiko sinkt. Untersuchungen zeigen, dass ein Spaziergang dafür hilfreicher ist als etwa ein Kreuzworträtsel. Auch der Seele tut Bewegung gut: Ausdauertraining wirkt bei Depressionen ähnlich gut wie Medikamente, und der Umgang mit Stress gelingt sportlichen Menschen besser.
Die Empfehlung für Erwachsene lautet, sich mindestens 150 Minuten pro Woche mit mittlerer Intensität zu bewegen – also Gartenarbeit, Spazierengehen oder gemütliches Radfahren. Oder 75 Minuten mit höherer Intensität – etwa Joggen oder Fußball spielen. Dazu sollten dann noch 2mal pro Woche muskelkräftigende Übungen kommen.
Wenn du also dein Gehirn und deine Augen bis hierher bewegt hast, dann wäre doch jetzt ein guter Zeitpunkt, all deinen anderen Körperteilen ein wenig Bewegung zu gönnen – wie wär’s mit einem Spaziergang?