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Über das Trinken

Über das Trinken von Alkohol wurden schon viele genussvolle und vortreffliche Sätze geschrieben – eine liebe Freundin hat mir vor Jahren den Essayband „Die trinkende Frau“ geschenkt (das war übrigens dieselbe Freundin, die mir zu einem anderen Anlass ein Büchlein mit dem Titel „Frauen und Schokolade“ geschenkt hat, und ja, sie ist mir immer noch eine liebe und wertvolle Freundin!). Darum soll es heute allerdings nicht gehen.

Ich nähere mich dem Thema – wie könnte es anders sein – aus der gesundheitlichen Perspektive, und gehe hier vor allem auf die praktische Umsetzung ein. Eine ausreichende Flüssigkeits-versorgung ist wesentlich für all unsere Stoffwechselvorgänge, der Richtwert dafür sind 35 ml Wasser pro kg Körpergewicht, also gut zwei Liter bei 60 Kilo. Bei Hitze sorgt der Körper durch Verdunstung und Schwitzen für Kühlung, und wir verlieren mehr Flüssigkeit – bei   intensiver körperlicher Betätigung bis zu 10 Liter pro Tag! Anzeichen für Wassermangel im Körper können Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Kopfweh sein.

Wichtig ist nicht nur, genug zu trinken, sondern auch möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt. Der Darm kann nur etwa einen halben Liter Flüssigkeit pro Stunde aufnehmen, alles Weitere wird ausgeschieden – Trinken auf Vorrat funktioniert also nicht! Am Abend Versäumnisse des Tages nachzuholen, ist aus energetischer Sicht nicht optimal: aus der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, kennen wir die Organuhr, laut der unsere inneren Organe zu bestimmten Tageszeiten besonders aktiv sind. Für die Nieren, die den Flüssigkeitshaushalt regulieren, ist das die Zeit von 17 bis 19 Uhr. Danach möchten sie sich gerne ausrasten und lieber keine großen Trinkmengen mehr verarbeiten.

Nicht nur Getränke versorgen uns mit Flüssigkeit. Manche Gemüse- und Obstsorten bestehen bis zu 90 Prozent aus Wasser, wie Gurken, Tomaten oder Melonen. Diese verbessern nicht nur unsere Wasserbilanz, sondern versorgen uns auch noch mit wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen. Auch die verlieren wir nämlich beim Schwitzen, und um Nährstoffmängeln vorzubeugen, müssen wir sie wieder zu uns nehmen.

Nicht nur aus geschmacklichen Gründen ist es daher sinnvoll, das Wasser ein wenig aufzupeppen. Eine Möglichkeit dafür ist Zitronenwasser: der Saft einer halben Zitrone in einem Glas Wasser regt die Verdauungs- und Entgiftungstätigkeit des Körpers an. Darüber hinaus enthält der Zitronensaft auch Vitamin C, basische Mineralstoffe sowie antibakterielle und entzündungshemmende Wirkstoffe.

Ein anderes gesundheitsförderndes Getränk ist grüner Tee. Egal, ob warm oder kalt getrunken, enthält Grüntee so genannte Polyphenole, das sind Pflanzeninhaltsstoffe, die antioxidativ, also zellschützend wirken. Eines dieser Polyphenole, die Ellagsäure oder abgekürzt EGCG, scheint auch krebshemmend zu wirken. Grüner Tee kann übrigens auch als Kaltansatz hergestellt werden: die Teeblätter oder –beutel einfach mit kaltem Wasser übergießen  und für etwa eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen – fertig ist der selbstgebraute Eistee! So zubereitet schmeckt der Tee oft milder und leichter, weil sich die Bitterstoffe langsamer lösen. Grüntee wirkt auch leicht kühlend auf den Organismus, stärker ist dieser Effekt bei Pfefferminztee!

Für die Versorgung mit Flüssigkeit wenig geeignet sind übrigens Fruchtsäfte und Smoothies, die sehr viel Fruchtzucker (Fruktose) enthalten! Kaum jemand würde wohl fünf oder sechs ganze Äpfel oder Orangen auf einmal essen. In flüssiger Form hingegen schaffen wir das ganz leicht – und nehmen damit auch die ganze Fruktose von all diesen Früchten auf! Das kann problematisch werden, weil unsere Leber ‚überschüssige‘ Fruktose, die nicht zur Energiegewinnung gebraucht wird, in Fett umwandelt. Wenn das häufig passiert, entwickelt sich eine so genannte ‚nicht-alkoholische Fettleber‘ – das betrifft laut Deutschem Ärzteblatt etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Daher: Obst lieber essen als trinken!

Und wie ist es jetzt mit Alkohol? Tatsächlich wird man bei Hitze schneller betrunken. Bei höheren Temperaturen enthalten die Körperzellen weniger Flüssigkeit. Die Folge: Der Alkohol im Körper ist konzentrierter, er wirkt stärker und der Rausch setzt früher ein. Allerdings heißt das nicht, dass dieser Zustand auch schneller vorüber ist. Die Leber benötigt bei Hitze ebenso lange für den Abbau des Alkohols wie bei kühlerem Wetter. Mein persönlicher Ansatz ist hier: wenn schon Spritzer, dann Sommerspritzer!

Es ist also keineswegs egal, was und wie wir trinken, dennoch ist bei den aktuellen Temperaturen die Hauptsache: Trinkt, Leute, trinkt!