kinesiologie
coaching
resilienzberatung

Der Vergesslichkeit davonlaufen

Altersdemenz nimmt zu. Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass es 2050 etwa 130 Millionen Demenzkranke weltweit geben wird, das sind fast dreimal so viele wie im Jahr 2015.

Aber Demenz ist kein Schicksal! Es liegt weit mehr in deinen Händen oder vielmehr Beinen, als dir vielleicht bewusst ist! Der deutsche Arzt Michael Nehls hat Bücher geschrieben wie „Alzheimer ist heilbar“ und „Die Alzheimer-Lüge“, und er bezeichnet Alzheimer – die mit Abstand häufigste Form von Demenz – als vermeidbare Mangelkrankheit. Bewegung ist einer der Faktoren, von denen wir in unserem modernen Leben zu wenig haben. Über die Bedeutung von Bewegung fürs Gehirn schreibe ich im Blog „Lass dein Hirn nicht sitzen“, und auch weiter unten noch. Hier geht’s zunächst um die Frage:

Was passiert im Gehirn, wenn Alzheimer entsteht?

Die Antwort darauf finden wir in einem Hirnbereich namens Hippocampus. Dieser ist für unser Gedächtnis  zuständig – hier werden aus unseren Alltagserfahrungen Erinnerungen. Sobald wir tief schlafen, sortiert der Hippocampus alle neuen Erlebnisse: Unwichtiges wird gelöscht, Wichtiges wird ins Langzeitgedächtnis verschoben. Das geschieht mit Hilfe von chemischen Botenstoffen, die beiden wichtigsten sind Glutamat und Beta-Amyloid.

Im Hippocampus können lebenslang neue Hirnzellen gebildet werden, auch bei 70-, 80- und 90-Jährigen! Das ist eine relativ neue Erkenntnis, denn bis in die 1990er-Jahre gingen Wissenschafter davon aus, dass im Nervensystem von Erwachsenen keine neuen Zellen mehr entstehen. Wie wir leben, was wir essen, wie wir uns fühlen hat Einfluss darauf, wie viele neue Nervenzellen sich bilden!

Alzheimer beginnt im Hippocampus, wenn das Wachstum neuer Nervenzellen durch unsere Lebensweise eingeschränkt wird. Dann wird das Beta-Amyloid nämlich nicht mehr abgebaut, sondern sammelt sich an und verklebt Bereiche im Gehirn – so entstehen die für die Erkrankung typischen Plaques.

Wie trägt Bewegung zur Hirngesundheit bei?

Eine Analyse von mehreren Studien mit insgesamt mehr als 160.000 Menschen ergab, dass regelmäßige körperliche Bewegung das Demenzrisiko insgesamt um ein Viertel reduzieren kann, das Alzheimerrisiko sogar um knapp die Hälfte. Bereits Spaziergänge von zwei bis vier Kilometern täglich reichen dafür aus!

Der Neuropsychologe Erik Scherder meint sogar „Sitzen ist das neue Rauchen“, und  verweist auf eine Untersuchung, laut der jedes Jahr weltweit 5,1 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens sterben, und 5,3 Millionen Menschen an den Folgen von Bewegungsmangel.

Die wichtigsten Effekte von Bewegung auf unser Gehirn sind

  • die Senkung der Entzündungsbereitschaft im Körper: Menschen, die entzündungshemmende Medikamente einnehmen, haben ein 40% geringeres Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken.
  • die Verbesserung der Körperchemie: stimmungsaufhellende Botenstoffe und der Nervenwachstums-Faktor BDNF werden verstärkt produziert, Stresshormone werden schneller abgebaut.
  • die Bildung einer „kognitiven Reserve“: mit diesem Konzept wird erklärt, warum bei gleichaltrige Menschen mit den gleichen neuronalen Schäden völlig unterschiedliche Beeinträchtigungen auftreten können. Einer der wichtigsten Faktoren dabei ist Bewegung.

Was kann ich sonst noch tun, um mich vor Demenz zu schützen?

Neben körperlicher Aktivität unterstützen folgende Aspekte ein gesundes Leben in jedem Alter:

  • regelmäßige ausgewogene Ernährung auf vorwiegend pflanzlicher Basis mit ausreichend Omega 3-Fettsäuren und Antioxidanzien. Hilfreiche Nahrungsergänzung für Gehirn und Gedächtnis sind Gingko, Alpha-Liponsäure, B-Vitamine, Johanniskraut und Curcumin.
  • Ausreichend Schlaf: in den Traumphasen unseres Schlafs werden neue Erfahrungen mit Hilfe von Beta-Amyloid mit bereits abgespeicherten Gedächtnisinhalten verknüpft, und das nicht mehr benötigte Beta-Amyloid wird dann abgebaut. So wird verhindert, dass es zum „Alzheimer-Toxin“ wird. Zugleich erleichtert uns diese Verknüpfung von bereits vorhandenem und neu gewonnenem Wissen die Lösung von Problemen – schwierige Fragen zu überschlafen, macht also aus neurobiologischer Sicht viel Sinn!
  • Soziale Aktivitäten und machbare Herausforderungen: wer Sinnhaftigkeit und Eingebundensein erlebt, trainiert nebenbei seine Gehirnzellen und wird älter.

Vorbilder für dieses „artgerechte Leben“ sind die Menschen in den so genannten „Blue Zones“ der Erde. Das sind jene 5 Regionen auf unserem Planeten mit der höchsten Dichte an gesunden Hundertjährigen. Dr. Nehls meint das Fehlen von artgerechten Lebensfaktoren, die dort realisiert sind, wenn er Alzheimer als Mangelkrankheit bezeichnet! Angesichts der Reizüberflutung in unserer modernen Welt ist dieses artgerechte Leben, vor allem in Großstädten, immer wieder eine Herausforderung. Wenn du dafür Unterstützung möchtest, mach dir einen Termin bei mir aus!